Kein Happy Day für Querdenken und Co. – praktischer Antifaschismus bleibt nötig

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ zieht eine vorläufige Bilanz zum gestrigen Demonstrationsgeschehen:

Zuallererst danken wir den nahezu 4000 Demokrat:innen, die gestern überall in Leipzig demonstriert und einen erneuten Erfolg des Querdenk-Rechte-Sammelsuriums verhindert haben. Unser Dank gilt auch Gesine Oltmanns, die mit der Schilderaktion „Leipzig denkt selbst – Leipzig braucht keine Querdenker!“ für ein klares und medial gut vermittelbares Bild gesorgt hat, sowie allen Redner:innen auf den gestrigen Kundgebungen.

Der Demonstrationstag startete mit dem Versprechen der Behörden, die Maßnahmen der Corona- Schutz-Verordnung durchsetzen zu wollen. Dies mutete auch anfänglich so an, zumindest was die angemeldete rechte Versammlung auf dem Kurt-Masur-Platz betraf. Dort wurde tatsächlich von der Ordnungsbehörde gemeinsam mit der Polizei durchgegriffen.

Nach Auflösung der angemeldeten Kundgebung, zu der die 500 Teilnehmenden angereist waren, konnten wir aber kein wirkliches Konzept mehr erkennen. Die Kleingruppentaktik der Hooligans sowie der Versuch der Querdenk-Melange, nach einer (verbotenen) Demonstration in der Innenstadt zusätzlich eine auf dem Ring durchzuführen, war absehbar und wurde durch das Aktionsnetzwerk gegenüber den Behörden im Vorfeld kommuniziert. Es lag damit auch nah, dass die sog. Querdenker:innen nach dem Ende ihrer Versammlung nicht einfach gehen würden. Es war ein Fehler, dieses Personenspektrum danach in die Innenstadt abfließen zu lassen.

Ohne antifaschistische Intervention wäre der dann veranstaltete Aufzug vermutlich auf den Ring gekommen. Deswegen ist es besonders ärgerlich, dass schon wieder mit zweierlei Maß gemessen wurde. Kleine antifaschistische Blockaden wurden gekesselt, mit Identitätsfeststellungen überzogen, und es wurden Bußgelder verhängt. Hingegen wurde der Aufzug der Querdenker:innen, Nazis und Hools zwar in der Großen Fleischergasse gekesselt, jedoch ohne tatsächliche Folgen für die Beteiligten. Und dies geschah, obwohl hier ganz klar die Teilnahme an einer verbotenen Versammlung und weitere Verstöße gegen die Corona-Schutz-Verordnung vorliegen. Es bleibt die Frage, warum die Polizei nicht konsequenter, etwa mit Verhängen von Platzverweisen, durchgegriffen hat, um sicherzustellen, dass die großenteils angereisten Querdenker:innen die Stadt verlassen. Wie schon im Ergebnis der verbotenen Versammlung am 7. November bereitet das Aktionsnetzwerk Anzeigen gegen Personen aus dem Querdenker:innen Spektrum vor.

Deutlich geworden ist im bislang bilanzierten Ergebnis auch, dass die Querdenker:innen-Demonstration massiv durch extreme Rechte dominiert war. Rechte Kampfsportgruppen wie “Knockout 51” bilden dabei die Gewalt der Querdenker:innen ab, in der Bereitschaft sich die Straße freizuschlagen. Youtuber wie die Holocaustleugner Nikolai Nerling und Sven Liebich, die beide in Leipzig waren, dominieren die Berichterstattung. Dass auch AfD Land- und Bundestagsabgeordnete an der verbotenen Versammlung teilnahmen und damit Recht und Gesetz abermals mit Füßen traten, darf nicht unerwähnt bleiben.

Bis zu einer detaillierteren Auswertung der eingehenden Berichte bleibt festzuhalten: Antifaschismus bleibt Handarbeit!

Pressemitteilung: Leipzig am 22. November 2020

Nach dem Desaster – „Leipzig nimmt Platz zieht Bilanz”

Das Aktionsnetzwerk “Leipzig nimmt Platz” zieht Bilanz nach den Geschehnissen des gestrigen Tages und fordert eine umfassende Aufarbeitung ein.

Das, was geschehen ist, geschah mit Ansage. Es war bekannt, dass Hooligans und Neonazis zu der „Querdenker*innen“-Demonstration anreisen würden. Es war bekannt, dass die Maskenpflicht nicht eingehalten wird und dass zur Demonstration auf dem Ring aufgerufen wird. Allein dieser Aufruf, der dem Leipziger Ableger der „Querdenker*innen“- Demonstration zuzuordnen ist, stellt eine Straftat dar.

“Dass es im Verlauf des Abends zu Angriffen auf Gegendemonstrant*innen, Pressevertreter*innen und auch Polizeibeamt*innen kommt, war vorauszusehen. Warum war dann die Polizei in der Gesamtschau trotzdem schlecht vorbereitet? Warum wurde nicht in Erwägung gezogen, die offenbar vorhandenen Wasserwerfer, die man dann abends einsetzte, um eine brennende Mülltonne in Connewitz zu löschen, nicht wenigstens in der Innenstadt zu positionieren”, fragt Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk.

“Für die Freiheit einiger Weniger, die sich in einer Diktatur wähnen und Seite an Seite mit Neonazis und Hooligans demonstrieren, wurde die Gesundheit von unzähligen Menschen aufs Spiel gesetzt. Verantwortbar ist das nicht und es ist auch juristisch schwer nachzuvollziehen. Wir erwarten eine umfassende Aufarbeitung der Geschehnisse in allen Bereichen. Wir sagen deutlich, die politische Verantwortung trägt der Innenminister und nicht die Polizei”, so Jürgen Kasek, Stadtrat und Rechtsanwalt.

„Aber auch die Versammlungsbehörde muss sich vielen Fragen stellen, die schon am Vorabend des Großdesasters anfingen, sich zu sammeln. Warum wurde am Freitagabend auf dem Markt die Maskenpflicht auf der Versammlung der „Querdenker*innen“ nicht durchgesetzt? Warum durfte am Samstag die Kundgebung auf dem Augustusplatz überhaupt anfangen, wenn 90 Prozent keine Maske trugen? Dasselbe Desaster spielte sich dann nochmals und wiederum mit öffentlicher Ankündigung am Sonntag vor dem Völkerschlachtdenkmal ab“, so Kasek weiter.

„Wir danken allen verantwortungsbewussten Menschen, die in solidarischer Art und Weisegestern unter dramatischen Bedingungen sich den Ignorant*innen und Rechtenentgegengestellt haben. Es war ein notwendiges Zeichen. Wir danken auch allen, die unsmoralisch unterstützt haben, da sie aus gesundheitlichen Gründen und konsequenterRücksichtnahme nicht auf der Straße sein konnten. Es war ein dunkler Tag für Demokratie,Rechtsstaat und für unsere Stadt“, schließt Rudolph-Kokot.

Pressemitteilung: Leipzig, 8. November 2020

Jetzt erst recht: Gedenken. Verantwortung übernehmen. Menschenfeindlichkeit bekämpfen.

Das Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz beteiligt sich am 9. November an der Stolpersteine-Putz-Aktion und ruft zur Beteiligung auf. Das Aktionsnetzwerk wird 17 Uhr in der Pfaffendorfer Straße 18 die Stolpersteine von Anna und Bernhard Landesberg putzen und der beiden gedenken.

Dazu erklärt Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk: „Die derzeitigen Entwicklungen machen uns betroffen. Menschen agieren rücksichtslos und gefährden andere. Rechte Kräfte nutzen die fragile Lage im Land für sich aus. Gerade jetzt ist es mehr denn je wichtig zu erinnern und zu mahnen.“

Am 9. November organisiert der Erich-Zeigner-Haus e. V., wie in jedem Jahr, das Putzen der mittlerweile über 480 Stolpersteine in Leipzig. Alle Informationen und noch offene Orte sind unter https://erich-zeigner-haus-ev.de/neunter-november/ zu finden. Aus Gründen des Gesundheitsschutzes bitten wir alle, sich an die geltenden Vorschriften zu halten: unbedingtes Einhalten der Maskenpflicht und des Mindestabstands!

Weitere Informationen: https://www.facebook.com/events/642282849801010/

Gegen die Entscheidung des OVG, gegen jedwede Corona-Leugnung und rechte Umsturzfantasien

Das Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz hält die heutige Protestkundgebung gegen die Demonstration von „Bewegung Leipzig“, Querdenken“ und weiteren Initiativen ab 13 Uhr am Augustusplatz ab. Nach einem Beschluss des Sächsischen Oberverwaltungsgerichtes wurde die ursprüngliche Anmeldung per Auflage der Leipziger Versammlungsbehörde verlegt. Infolgedessen hat das Aktionsnetzwerk östlich am Augustusplatz an der Kreuzung Grimmaischer Steinweg neu angezeigt.

Eine weitere Protestkundgebung findet am Wilhelm-Leuschner-Platz, Innenstadtseite ebenfalls ab 13 Uhr statt.

Der Beschluss des OVG Bautzen ist bislang unbekannt und somit unklar, ob ein Aufzug oder eine ortsfeste Kundgebung ermöglicht wurde.

Das Aktionsnetzwerk kritisiert die Entscheidung massiv: „Wir sind geradezu entsetzt über die Genehmigung einer Demonstration von 16.000 Menschen auf dem viel zu kleinen Augustusplatz. Ein Mindestabstand kann hier nicht gewährleistet werden. Und dass die Ordnungsbehörden die Maskenpflicht nicht durchsetzen, konnten wir erst gestern Abend auf dem Leipziger Markt erleben. Der Schutz des Demonstrationsrechts ist auch für uns ein hohes Gut, aber in Abwägung der Gefährdungslage muss der Infektionsschutz angemessen beachtet werden“, erklärt Irena Rudolph-Kokot.

Das Aktionsnetzwerk ruft gerade jetzt zu entschiedenem Protest auf. Die Kundgebung wird unter der Einhaltung der Regeln (Mindestabstand 1,5m, Mund-Nasen-Bedeckung) mit folgendem Titel angezeigt: „Gegen die Entscheidung des OVG, gegen jedwede Corona-Leugnung und rechte Umsturzfantasien. Leipzig nimmt Platz!“

Pressemitteilung: Leipzig, den 7. November 2020

Keine Übernachtung für rechtsoffene Corona-Leugner*innen

Offener Brief an die Dehoga und alle Hotels in der Stadt Leipzig

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wenden uns an Sie mit Blick auf das kommende Wochenende in Leipzig. Wie Sie wissen, wollen an diesem Wochenende sogenannte Gegner*innen der Corona-Maßnahmen in Leipzig demonstrieren.

Auch wir sehen eine Reihe der Maßnahmen kritisch und haben Zweifel an der Verhältnismäßigkeit. Da vornehmlichgerade die Branchen besonders hart betroffen sind, die in den letzten Monaten Hygienekonzepte aufgestellt und umgesetzt haben. Aber wir maßen uns nicht an, die besseren Ärzte zu sein und es kann keinen vernünftigen Zweifel daran geben, dass wir in einer Situation sind, in der Rücksichtnahme und Solidarität das Gebot der Stunde sind.

Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie genau zu prüfen, wem Sie Zimmer zur Verfügung stellen. Nach der sächsischen Corona Schutzverordnung sind nur Dienstreisen vom Beherbergungsverbot ausgenommen. Nach der Entscheidung etwa des Finanzgerichtshofs in Bremen sind Dienstreisen solche, die dazu dienen, die Erwerbsgrundlage sichern.

So wichtig die Versammlungsfreiheit für unsere Demokratie ist, so wenig ist es gerade angezeigt, dass in der aktuellen Situation Menschen aus allen Teilen Deutschlands in eine Stadt reisen und zusammen auf engstem Raum demonstrieren. Dies auch deswegen, da es genauso möglich wäre, in jeder Stadt, an jedem Ort zu demonstrieren und seine Meinung kundzutun.

Den Gegner*innen der Maßnahmen geht es allerdings nicht um Vernunft, um Solidarität sondern primär um eigene Interessen. Dafür scheuen Sie auch nicht zurück, mit Reichsbürger*innen und extremen Rechten zusammenarbeiten. Die Bewegung hat sich zusehends radikalisiert, ohne dass es aus der Bewegung Widerspruch dagegen gibt. Anschläge auf das RKI in den letzten Wochen im Namen der sogenannten Querdenker*innen sprechen eine deutliche Sprache.

Wir als Einwohner*innen Leipzigs wollen nicht, dass Leipzig am Wochenende Schauplatz einer Massenkundgebung wird, auf der die Fahnen des Deutschen Reiches wehen, Verschwörungsmythen verbreitet und bewusst Menschenleben gefährdet werden. Genau solche Veranstaltungen können am Ende dazu führen, dass die einschränkenden Maßnahmen verlängert werden, was für uns alle ein Problem und für Hotels und Gaststätten eine Katastrophe wäre.

Wir bitten Sie um Solidarität und Verständnis. Wir appellieren an ihre Vernunft. Leipzig darf kein Hotspot der Coronapandemie, der Menschenfeindlichkeit und des Hasses werden.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Irena Rudolph-Kokot
gez. Jürgen Kasek
für das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“

Leipzig, 4. November 2020

Eine Antwort auf zahlreiche Briefe, Mails und Kommentare zum Protest gegen “Querdenken”

Uns erreichen immer wieder Anfragen und Kritik – nicht nur von Nazis und Verschwörungsfans, sondern auch von Menschen, die uns fragen, warum wir die staatlichen Maßnahmen unkritisch unterstützen und uns gegen Menschen stellen würden, die diese Maßnahmen infrage stellen.

Leipzig nimmt Platz hat von Anfang an die Einschränkungen von Grundrechten kritisiert und das auch deutlich formuliert, s. https://platznehmen.de/kontext/corona/

Es geht auf gar keinen Fall darum, staatliche Repression hinzunehmen – insbesondere, wenn es um willkürliche Eingriffe in Grundrechte geht. Trotzdem stellen wir uns deutlich gegen Querdenker:innen und ihre Erzählungen, die zwischen den Extremen Hilflosigkeit und Allmacht pendeln. Aus zwei Gründen:

Nach all dem, was wir heute von einem medizinischen Standpunkt aus wissen, ist COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) keine harmlose Krankheit. Für viele Menschen aus Risikogruppen ist sie potenziell tödlich. Aber auch Menschen, die nicht zu einer typischen Risikogruppe gehören, müssen mit schwerwiegenden Verläufen rechnen. Viele der Maßnahmen, die jetzt getroffen worden sind, dienen dem Schutz von Menschen. Bei einzelnen Regelungen kann es Kritik geben und diese ausgehandelt werden, aber es ist im höchsten Maße unsolidarisch, solche Maßnahmen zu boykottieren. Solidarität aber ist eine Grundbedingung für eine gelingende Gesellschaft.

Der zweite Grund: Von Beginn an beteiligen sich Reichsbürger:innen und rechtsnationale Parteien und Gruppen an diesen Protesten. Es gab nie glaubwürdige Distanzierungen durch Nicht ohne uns, Bewegung Leipzig, Querdenken oder die anderen Veranstalter:innen der Demos. Wer aber mit neonazistischen Gruppen gemeinsame Sache macht, stellt sich außerhalb eines zivilgesellschaftlichen Diskurses – wie notwendig oder richtig einzelne Anliegen auch sein mögen.

Wer behauptet, linke und freiheitliche Ideen zu verteidigen, und sich dabei mit Nazis, Rassist:innen und Antisemit:innen verbündet, kann mit unserem entschiedenen Widerspruch rechnen.

Freikarten für Film und Diskussion: „Und morgen die ganze Welt“

Die Passage Kinos laden gemeinsam mit dem Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ zum Film „Und morgen die ganze Welt“ am 30. Oktober um 19 Uhr ein. Dafür werden fünf Freikarten verlost. Interessierte können sich einfach bis Mittwochabend (28. Oktober) 20 Uhr in den sozialen Medien unter @platznehmen an das Aktionsnetzwerk wenden:

Instagram: https://www.instagram.com/platznehmen/
twitter: https://twitter.com/platznehmen
Facebook: https://www.facebook.com/platznehmen
telegram: https://web.telegram.org/platznehmen/

Überdies wird auch ein Kontaktformular angeboten: https://platznehmen.de/kontakt/

Die Aufführung wird von einer Diskussion zum Thema „Welche Mittel gegen Rechts brauchen wir?“ mit u. a. dem als Pfarrer der Thomaskirche bekannten Christian Wolff und Kai Doering, stellvertretender Chefredakteur des Magazins „vorwärts“, begleitet. Bundesweiter Kinostart des Spielfilmes ist schon am Donnerstag zuvor. Weitere Informationen finden Sie unter https://www.alamodefilm.de/kino/detail/und-morgen-die-ganze-welt.html

Um einen reibungslosen Einlass zu gewährleisten, werden die Kinobesucher*innen gebeten , schon um 18:30 Uhr zu erscheinen. Die Passage Kinos befinden sich in der Jägerhof-Passage zwischen Großer Fleischergasse und Hainstraße. Die Vorstellung findet im Universum-Saal statt, der im Untergeschoss nur über eine Treppe erreichbar ist. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist im Gebäude Pflicht, jedoch nicht am eigenen Sitzplatz. Das Kino gewährleistet eine sitzplatzbezogene Kontaktnachverfolgung laut Allgemeinverfügung des SMS.
Irena Rudolph-Kokot zeigt sich gespannt auf die Debatte: »Der Kampf gegen Rechts hat viele Facetten. Es bleibt zu bezweifeln, dass der Film all diese beleuchten kann. Und es gibt nicht „die (eine) linke Szene“, von der vermutlich die Rede sein wird. Natürlich hat ein Spielfilm eine große künstlerische Freiheit. Damit bleibt es unsere Aufgabe, die Einordnung in die Realität zu treffen. Wenn ein Film im Vorfeld schon für Diskussion sorgt, dann sollten auch wir diese führen.«

Hinweis zum Datenschutz: Der Natur der Sache gemäß müssen durch das Aktionsnetzwerk persönliche Daten der sich anmeldenden Personen erfasst werden. Die Namen und Telefonnummern der Gewinner*innen werden vom Aktionsnetzwerk an die Passage Kinos weitergeleitet und dort nach Ablauf der gesetzlichen Fristen vernichtet. Die Daten der anderen Interessierten werden unverzüglich nach der Auslosung vernichtet.

Pressemitteilung: Leipzig, den 27. Oktober 2020
Bildrechte: Und morgen die ganze Welt

Statement des Aktionsnetzwerks „Leipzig nimmt Platz“

Auch Leipzig hat ein Rassismusproblem

Leipzig, 29. Juli 2020

Groß und laut war die Aufregung über den Vorfall, als ein LVB-Kontrolleur einen Fahrgast würgte. Es wurde gefragt, ob die LVB ein Rassismus-Problem hat. Und ja, zu Recht wird von dem städtischen Beteiligungsunternehmen nun verlangt, endlich ein funktionierendes Beschwerdemanagement zu etablieren, Schulungen in interkultureller Kompetenz durchzuführen und dafür zu sorgen, dass in den eingesetzten Teams Fremdsprachenkenntnisse vorhanden sind.

Aber greift das alles nicht zu kurz? Haben wir denn nur in der LVB Probleme mit Rassismus und diskriminierendem Verhalten? Jede*r Leipziger*in hat doch gewiss schon an vielen Stellen beobachten können, dass Menschen mit nichtdeutschen Wurzeln immer wieder ungerechtfertigt anders behandelt werden – von Polizei und Stadtordnungsdienst, in Ämtern, von Kontrolleuren der LVB und der DB oder einfach auch beim Einkaufen.

Wir alle sollten uns nicht zurücklehnen und uns über eine progressive Mehrheit im Stadtrat und bei anderen Wahlen freuen, denn auch in Leipzig wirkt das Gift, welches die AfD und die gesammelte Rechte seit Jahren versprühen. Auch Leipzig hat ein Rassismus-Problem. Dem müssen wir uns auf allen Ebenen stellen, anfangen sollten wir aber da, wo die Einflussmöglichkeiten und die Kontrolle am besten funktionieren – bei der Stadt selbst. Wie wäre es denn, wenn die Beschäftigten aller Ämter, Eigenbetriebe sowie aller städtischen Beteiligungen regelmäßige Schulungen zu interkultureller Kompetenz erhalten? Wie wäre es, wenn ein breit angelegtes Programm zur Gewinnung von Beschäftigten mit Migrationsgeschichte bei der Stadtverwaltung, den Eigenbetrieben sowie städtischen Beteiligungen angestoßen wird? Und wie wäre es, wenn wir überall ein Beschwerdemanagement etablieren, welches dazu geeignet ist, Probleme zu erkennen und zu beheben? Je präsenter das Thema ist, je mehr Menschen mit Einwanderungsgeschichte Kolleginnen und Kollegen sind, umso besser wird der Umgang.

Aber natürlich sind wir auch alle selbst in Verantwortung. Überall wo uns Diskriminierung und Rassismus im Alltag begegnen, müssen wir aktiv gegenhalten. Ja, manchmal erfordert dies Courage. Aber wenn wir in einer tatsächlich vielfältigen solidarischen Stadt leben wollen, dann müssen wir dafür auch überzeugend eintreten.

Bildquelle: Screenshot aus einem Video bei Kreuzer Leipzig, Anna Hoffmeister und Michael Kees

Brief des Aktionsnetzwerkes „Leipzig nimmt Platz“ an Chefredakteur der LVZ

Betreff: Berichterstattung Femizid an Myriam Z.

Sehr geehrter Herr Emendörfer,

wir – das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ – gehen hiermit gerne Ihrer Bitte nach und möchten Ihnen unsere Ansicht zur Berichterstattung über den Femizid an Myriam Z. mitteilen.

Für die gängigen Leser*innen der LVZ mag der Beitrag von Bettina Wilpert eine neuartige Perspektive geschafft haben, da Wilperts Ton dem Grundtenor Ihrer Tageszeitung nicht entspricht. Wir finden es großartig, dass Sie dennoch mit der Veröffentlichung von Wilperts Essay einen Versuch gewagt haben, einer äußerst qualifizierten, mehrfach renommierten und anerkannten Journalistin Stimme zu verleihen. Leider diffamieren Sie Wilpert und ihre Kompetenz in Ihrer Correctio an die Leser*innenschaft am 01.07.2020 und revidieren mit Aussagen wie „Wir tolerieren die Sicht der Autorin, was jedoch nicht heißt, dass wir die Sache in allen Teilen so sehen wie sie“. Mit dem Attribut ‚jung‘ implizieren Sie Inkompetenz und unterstellen der Schriftstellerin zudem, nicht „sachlich, objektiv und distanziert“ berichtet zu haben gemäß Ihrem Anspruch an die tägliche Berichterstattung, wie Sie es im letzten Abschnitt deutlich machen. Absurderweise ist eine solche Dreistigkeit nicht „sachlich, objektiv und distanziert“ sondern höchst hierarchisierend. Nicht nur der Umgang mit Bettina Wilpert ist zu kritisieren, vor allem, und das ist auch der Anlass für unseren Kommentar, Ihr dilettantischer Umgang mit struktureller Ungleichheit und historisch angelegten Machtverhältnissen im Patriarchat.

Zu einer verantwortungsvollen Berichterstattung gehört es auch, die Dinge bei ihren Namen zu nennen. Wenn Frauen*, trans*, inter-, nicht-binäre Personen und Queers wegen ihrer zugeschriebenen Andersartigkeit von Männern mit patriarchalen Privilegien ermordet werden, dann heißt das Femizid. Dass diese Gewalt kein Einzelfall wie bei Myriam Z. ist, beweisen fundierte Statistiken (nachzulesen hier: http://www.onebillionrising.de/femizid-opfer-meldungen-2019/). Daraus geht hervor, dass rein rechnerisch alle 72 Stunden ein Femizid in Deutschland begangen wird, wohlgemerkt ohne Einbezug der Dunkelziffer. In ihrer Correctio betonen Sie erneut die Motive der Männer, Ihrer Meinung nach geschehen diese „dutzende(n) Frauenmorde, weil Frauen nicht die ihnen von Männern zugedachte Rolle erfüllen wollen“. Mit solchen Aussagen reproduzieren Sie kulturelle Deutungsmuster von Frauen*diskriminierungen und verfestigen somit den strukturellen Sexismus in unserer Gesellschaft. Wir möchten Ihnen nicht unterstellen, unzureichend recherchiert zu haben, aber schauen Sie sich gerne die Definition des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen an: »Der Begriff „Femizid“ (femicidio) wurde insbesondere in Lateinamerika als hilfreiches Instrument begrüßt, um auf die alarmierende Eskalation äußerst brutaler Morde an Frauen und Mädchen reagieren zu können. Parallel dazu wurde das Wort „feminicidio“ (Feminizid) eingeführt, um das Element der Straflosigkeit und institutionellen Gewalt angesichts der mangelnden Rechenschaftspflicht und adäquaten Antwort des Staates auf dieses Phänomen zu erfassen.« (Auszug, https://eige.europa.eu/de/taxonomy/term/1128). Aus dieser Definition kann abgeleitet werden, dass die Motive von Femizidtätern nicht Gründe vorweisen, sondern vielmehr Struktur haben: die Morde entstehen nicht aus einem tieferen Hergang heraus, sondern sind Outputs der strukturellen Diskriminierung von Frauen*, die nach sozial geteilten und impliziten Geschlechtervorurteilen als minderwertig angesehen werden. Ihre Leugnung bzw. Ablehnung dieses Faktums nennt sich ‚moderner Sexismus‘ und baut zunehmend die sozialen Ungleichheiten und elitäre männliche Werte auf!

Mit der These “Medien sind keine Gerichte“ nehmen Sie sich selbst in Schutz und verleugnen Ihren Einfluss auf Diskurse und die Meinungsentwicklung vieler Ihrer Leser*innen. Als LVZ tragen Sie in jedem Ihrer Artikel immer die Verantwortung von Meinungsmacher*innen und Fokuslenker*innen. Sie weisen bereits bei der Auswahl der Themen, die Einzug in die Zeitung finden, und ebenso bei der Auswahl der Autor*innen, die diese Themen vorstellen bzw. von ihnen berichten, eine Richtung. Ein Bericht besitzt zwar den Anspruch auf Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit, doch sollte er vielmehr als eine von vielen möglichen Darstellungen eines Geschehens verstanden werden. Erst durch eine hohe Anzahl an Berichten von einem Geschehen, also durch die Vielfältigkeit der Berichterstattung, ergibt sich ein differenzierbares Bild von dem, was wohl geschah. Daher befürworten wir es sehr, dass Sie Autor*innen wie Bettina Wilpert einbeziehen, um eine Vielfältigkeit herzustellen.
Beim nächsten Mal, wenn es Kritik an Ihrer Auswahl der Autor*innen hagelt, sollten Sie vernünftig und ehrlich zu Ihrer Entscheidung stehen, Artikel unkommentiert lassen und erst recht nicht überholte kulturelle Deutungsmuster reproduzieren und sich somit für die Tradierung von Sexismen verantwortlich machen!

Sehr geehrter Herr Jan Emendörfer, tun Sie uns den Gefallen und bleiben Sie das nächste Mal einfach „sachlich, objektiv und distanziert“.

Mit freundlichen Grüßen
Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“

Kritisch bleiben. Abstand halten. Keinen Menschen zurücklassen.

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ ruft am Montag, den 25. Mai ab 18 Uhr zur Kundgebung auf dem Nikolaikirchhof auf.

Dazu erklärt Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk: “Wir wollen die notwendigen Kundgebungen gegen Verschwörungs-Ideolog*innen, Corona-Leugner*innen und das Sammelsurium rechter Kräfte dazu nutzen, Themen, die durch die Pandemie in den Hintergrund gerückt sind, wieder präsent zu machen.

Seit vielen Wochen dreht sich auch in Deutschland alles um die Corona-Pandemie und um Infektionsschutz. Überall wurden die Anforderungen hochgeschraubt, es gab einen nahezu kompletten Lockdown. Und gleichzeitig dulden wir aber weiterhin, dass Geflüchtete in Deutschland und Europa in Massenunterkünften leben müssen. Dort ist die Einhaltung von Infektionsschutz oder gar minimaler Hygieneanforderungen nicht möglich. Eigentlich müsste spätestens seit Corona den letzten Ignorant*innen klar sein, dass diese Art der Unterkünfte abgeschafft gehört – und nicht nur wegen Corona, einfach auch weil sie menschenunwürdig sind. Eine dezentrale Unterbringung in Wohnungen muss das Ziel sein, vor allem für Familien.

Wir können und müssen handeln. Das Versprechen, Menschen aus den vollkommen überfüllten Lagern der europäischen Grenzstaaten aufzunehmen, müssen wir endlich einlösen. Vor allem Kommunen und Länder, die sich zu ‘Sicheren Häfen’ erklärt haben, wollen dies tun. Es wird Zeit, dass der Innenminister dem Willen der Bürgerinnen und Bürger dieser Kommunen endlich folgt. Die Uhr tickt und es ist schon spät genug, denn die Zustände dort sind eines modernen Europas vollkommen unwürdig. Wir haben die Möglichkeiten und eine klare Bereitschaft. Es fehlt ausschließlich an der Umsetzung.

Es ist also gar nicht so schwer, einiges dafür zu tun, dass wir auch die Geflüchteten nicht zurücklassen. Der Slogan #LeaveNoOneBehind, also keinen Menschen zurücklassen, muss Leitfaden für all unser Handeln sein. So lange das Handeln der Verantwortlichen dem nicht folgt, werden wir stetig den Finger in die Wunde legen.“

Weitere Informationen: https://www.facebook.com/events/180933106539552/

Pressemitteilung: Leipzig, 23. Mai 2020


Aufruf: Keinen Menschen zurücklassen. Ist das so schwer?

Wir als Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ wollen die notwendigen Kundgebungen gegen Verschwörungsideolog*innen, Corona-Leugner*innen und das Sammelsurium rechter Kräfte dazu nutzen, Themen, die durch die Pandemie in den Hintergrund gerückt sind, wieder präsent zu machen.

Seit vielen Wochen dreht sich auch in Deutschland alles um die Corona-Pandemie und um Infektionsschutz. Überall wurden die Anforderungen hochgeschraubt, es gab einen nahezu kompletten Lockdown. Und gleichzeitig dulden wir aber weiterhin, dass Geflüchtete in Deutschland und Europa in Massenunterkünften leben müssen. Dort ist die Einhaltung von Infektionsschutz oder gar minimaler Hygieneanforderungen nicht möglich. Eigentlich müsste uns nun spätestens seit Corona den letzten Ignorant*innen klar sein, dass diese Art der Unterkünfte abgeschafft gehört – nicht nur wegen Corona, einfach auch weil sie menschenunwürdig sind. Eine dezentrale Unterbringung in Wohnungen muss das Ziel sein, vor allem für Familien.

Folgerichtig legten auch die Landesflüchtlingsräte, PRO ASYL und die Seebrücken-Bewegung einen umfassenden Forderungskatalog vor, um der Gesundheit und dem Infektionsschutz der Geflüchteten endlich auch Rechnung zu tragen. Dieser richtete sich an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder. Diese verweisen gerne auf eine europäische Lösung. Natürlich ist es schön, wenn sich alle europäischen Staaten einigen können. Aber gerade Deutschland, als wirtschaftlich stabiles Land, darf sich nicht dahinter verstecken, wenn es keine einheitliche europäische Lösung gibt. Wir können und müssen handeln. Das Versprechen, Menschen aus den vollkommen überfüllten Lagern der europäischen Grenzstaaten aufzunehmen, müssen wir endlich einlösen. Vor allem Kommunen und Länder, die sich zu „Sicheren Häfen“ erklärt haben, wollen dies tun. Es wird Zeit, dass der Innenminister dem Willen der Bürgerinnen und Bürger dieser Kommunen endlich folgt. Die Uhr tickt und es ist schon spät genug, denn die Zustände dort sind eines modernen Europas vollkommen unwürdig. Wir haben die Möglichkeiten und klare Bereitschaft. Es fehlt ausschließlich an der Umsetzung.

Zur europäischen Solidarität würde es im Moment auch gehören, dass derzeit laufende und neue Asylverfahren, ohne Rücksicht auf das Dublin-Abkommen, in Deutschland abschließend bearbeitet werden. Dies wäre in Zeiten der zusätzlichen Belastung aller Staaten durch die Pandemie eine pragmatische und sinnvolle Unterstützung. Traurig ist, dass solche, im Sinne der Menschen, guten Vorschläge seit dem Rechtsruck in unserem Land kaum noch sinnvoll diskutiert werden und auch insgesamt progressive Politikansätze nicht ernsthaft verfolgt werden.

Hierzu zählt auch die Forderung nach Gesundheitskarten für alle. Eigentlich wäre, gerade mit Blick auf die Gefahren für die Gesundheit aller Bürgerinnen und Bürger, die Umsetzung essentiell und müsste auch für die letzten Skeptiker nachvollziehbar sein. Hierbei müssen auch endlich Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus und erwerbslose EU-Bürger*innen einbezogen werden. Neben der humanitären Verpflichtung ist auch klar, dass die nicht angezeigte Erkrankung eines Einzelnen, die Ansteckung vieler weiterer Menschen zur Folge haben kann. Die medizinische Behandlung aller Menschen ist also elementarer Gesundheitsschutz für alle. Das dürfte eigentlich Ziel aller politischen Akteure sein.

Es ist also gar nicht so schwer, einiges dafür zu tun, dass wir auch die Geflüchteten nicht zurücklassen. Der Slogan #LeaveNoOneBehind, also keinen Menschen zurücklassen, muss Leitfaden für all unser Handeln sein. So lange das Handeln der Verantwortlichen dem nicht folgt, werden wir stetig den Finger in die Wunde legen.