Demoaufruf zur Eröffnung der Buchmesse im Gewandhaus mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimer
Der Kulturstaatsminister hat, gestützt auf den Verfassungsschutz, drei von einer Fachjury nominierte Buchhandlungen, namentlich „Zur schwankenden Weltkugel“ in Berlin, „The Golden Shop“ in Bremen und „Rote Straße“ in Göttingen, willkürlich von der Nominierungsliste gestrichen. Weder die Betroffenen noch die Jury erhielten eine Begründung. Ohne diese bleibt jede Gegenwehr unmöglich. Die Situation wirkt auf die Betroffenen wie ein absurdes, kafkaeskes Szenario.
Dass der Verfassungsschutz, eine Institution mit fragwürdiger demokratischer Legitimation, überhaupt Buchhandlungen observiert oder bewertet, scheint den Minister nicht zu stören. Stattdessen wird mit autoritären Methoden eine Agenda durchgesetzt, die nach Belieben Gegner schafft und ausgrenzt. Dieser Angriff auf die im Grundgesetz verankerte Kunst- und Kulturfreiheit ist kein Einzelfall, sondern kollateraler Schaden einer Politik, die mit diffusen Ängsten den Überwachungsstaat vorantreibt. Dass dabei Kunst und Kultur ins Visier geraten, ist kein Zufall: Wo Menschen frei denken und sich äußern, entsteht stets eine Gefahr für autoritäre Systeme.
Fraglich ist, ob das Vorgehen des Ministers verfassungskonform ist. Er instrumentalisiert aber in jedem Fall den Verfassungsschutz als politische Waffe. Damit bestätigt sich, wovor viele bei seiner Ernennung gewarnt haben: Weimer verfolgt eine klare Vorstellung davon, was Kultur sein darf – und setzt diese rücksichtslos durch.
Wer heute Buchhandlungen ausgrenzt, wird morgen vor Büchern nicht Halt machen.
Es ist daher umso wichtiger, dieses Vorgehen klar zu benennen, die Stimme zu erheben und über alle Grenzen hinweg deutlich zu machen: Als pluralistische Gesellschaft dürfen und werden wir uns das nicht bieten lassen. Wer bei der Zensur von Buchhandlungen schweigt, wird bei der Zensur von Büchern nicht aufstehen. Eine staatlich verordnete Kulturpolitik ist Kennzeichen autoritärer Regime.
Deshalb rufen wir am Vorabend der Buchmesse, am 18.03. um 18 Uhr auf dem Augustusplatz, zu einer Protestkundgebung auf. Bringt Bücher mit und zeigt sie gemeinsam mit uns – als Symbol für die Freiheit des Denkens, die wir verteidigen und einfordern!
Pressemitteilung vom 17.03.2026
Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ ruft zur Teilnahme an der Demonstration „Gegen Autoritarismus und Zensur“ am Mittwoch, 18. März 2026, ab 18 Uhr auf dem Augustusplatz auf.
Die Kundgebung findet direkt vor dem Festakt zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse statt und richtet sich gegen das autoritäre Vorgehen des Kulturstaatsministers in zwei zentralen Fragen. Der willkürlichen Streichung von Buchhandlungen vom Deutschen Buchhandlungspreis, ohne Begründung und gegen die Entscheidung der Fachjury, sowie die Absage des Erweiterungsbaus der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig und die damit verbundene Abkehr von der physischen Archivierung zugunsten digitaler Speicherung.
Als Redner*innen werden erwartet:
– Vertreter*innen der Buchhandlung Rotorbooks (ebenfalls von der Fachjury nominiert)
– Frank Richter, ehemaliger Direktor der Landeszentrale für politische Bildung,
– Spektorverlag. zur Streichung des Nationalbibliothek-Erweiterungsbaus,
– Vertreter*in des Bündnisses „Verlage gegen Rechts“.
Irena Rudolph-Kokot erklärt für das Aktionsnetzwerk: „Die Demonstration richtet sich gegen eine systematische Aushöhlung der kulturellen Vielfalt durch politische Willkür. Statt die Freiheit der Kultur vor staatlichen Eingriffen zu schützen, setzt der Kulturstaatsminister auf Gesinnungskontrolle und Einschüchterung, etwa durch die Streichung von Buchhandlungen ohne transparente Kriterien oder die Absage der Preisverleihung. Das Ministerium informierte die Betroffenen fälschlicherweise, sie seien nicht nominiert worden – ein bewusster Versuch, Kritik im Keim zu ersticken. Dass der Kulturstaatsminister in der Folge der Kritik die Preisverleihung cancelt, passt ins Bild.
Noch gravierender ist die Entscheidung, den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek zu streichen. Damit wird nicht nur das kulturelle Gedächtnis gefährdet, sondern auch das Bibliotheksgesetz ignoriert, das die Abgabe von Pflichtexemplaren klar regelt. Bücher überdauern Jahrhunderte, digitale Daten bleiben abhängig von Technologie und politischen Entscheidungen. Dass ausgerechnet der Kulturstaatsminister dieses Erbe infrage stellt, zeigt: Hier wird Kultur nicht gefördert, sondern bekämpft.
Das Aktionsnetzwerk ruft dazu auf, sich der Demonstration anzuschließen und ein deutliches Zeichen für die Freiheit der Kultur zu setzen. Bücher und Verlage sind keine Spielbälle der Politik – sie sind das Fundament einer offenen Gesellschaft. Wir rufen dazu auf, Bücher mitzubringen und gemeinsam hochzuhalten als Zeichen für eine unabhängige Kultur gerade in der Buchstadt Leipzig.“

