PM: Leipziger Erklärung 2026

Pressemitteilung des Aktionsnetzwerks „Leipzig nimmt Platz“

Leipziger Erklärung 2026

In den vergangenen Monaten ist in engem Austausch mit zahlreichen Netzwerkpartner:innen eine überarbeitete Leipziger Erklärung 2026 entstanden. Sie knüpft an die Erklärung von 2018 an und entwickelt sie vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Dynamiken weiter.

Dazu erklärt Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk:   „Autoritäre Kräfte haben sich in Europa und weltweit ausgebreitet. Damit einher geht ein Neuerstarken des Nationalismus und die Abwertung marginalisierter Gruppen. In den vergangenen Jahren ist es leider nicht gelungen, den Vormarsch rechter radikaler Kräfte zu stoppen – auch, weil von demokratischer Seite versäumt wurde, klare Grenzen zu ziehen und eine Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen, progressiven und radikal-emanzipatorischen Kräften zu gestalten.“

„`Leipzig nimmt Platz`versteht sich als breites zivilgesellschaftliches Netzwerk für alle, die unsere Ziele teilen. Es bietet eine Plattform für vielfältige Initiativen, die die Herausforderungen der Gesellschaft solidarisch angehen und menschenfeindlichen sowie autoritären Tendenzen entgegentreten. Das Netzwerk „Leipzig nimmt Platz“ steht für gewaltfreie, aber entschlossene Aktionen, um menschenfeindliche Aufmärsche und Aktivitäten zu verhindern. Zugleich setzen wir eigene Schwerpunkte gegen die autoritären Entwicklungen. Zwar haben wir in Leipzig in den letzten Jahren gemeinsam mit euch erfolgreich „Platz genommen“, wenn Rechtsextreme zu Aufmärschen aufgerufen haben. Gleichzeitig sehen auch wir, dass autoritäre und nationalistische Positionen dennoch an Sichtbarkeit und Einfluss gewonnen haben.“

Die neue Erklärung formuliert, was bei uns bereits im vergangenen Jahr zunehmend gelebte Praxis geworden ist: die Beteiligung an tragfähigen Bündnissen sowie ein klares, gemeinsames Auftreten gegen autoritäre Tendenzen und wir verstehen sie als gemeinsamen Bezugspunkt für zivilgesellschaftliches Engagement in Leipzig – über unterschiedliche Hintergründe hinweg.

Erstunterzeichnende zu finden unter: https://platznehmen.de/leipziger-erklaerung/

Wir freuen uns, wenn auch weitere Organisationen und Einzelpersonen die Erklärung unter https://platznehmen.de/leipziger-erklaerung/#selber-zeichnen mitzeichnen.

Rückblick zum feministischen Kampftag

Wir danken allen die mit uns auf der Straße waren und zum kreativen und kämpferischen Protest beigetragen haben. Im folgenden haben wir unsere Pressemitteilungen dokumentiert. Außerdem sind ein paar Impressionen von Johanna Baschke zu finden.

Pressemitteilung vom 05.03.2026

Hinaus zum feministischen Kampftag: Kein Schritt zurück – die Zeit zu kämpfen ist jetzt!

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ ruft als Teil des Bündnisses „8. März ist immer!“ zur Demonstration am feministischen Kampftag auf. Start ist am 8. März 2026, 14:30 Uhr auf dem Augustusplatz. Der Demonstrationszug führt dann durch die Innenstadt zur Zwischenkundgebung auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz und schließlich über die Karl-Liebknecht-Straße bis zur Abschlusskundgebung am Werk 2 – Kulturfabrik e.V., wo im Anschluss eine feministische Abrissparty stattfindet.

Dazu erklärt Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“: „Die Geschichte des Feminismus ist eine Erzählung von Kämpfen. Diese Geschichte schreiben wir heute fort. FLINTA* stehen weltweit unter Druck, Erkämpftes wird in Frage gestellt oder gar abgewickelt. Gerade jetzt heißt es nicht nur die Errungenschaften zu verteidigen, sondern um unsere, immer noch eingeschränkten Rechte, zu kämpfen! Mit uns gibt es keinen Schritt zurück!“

Anouschka Noack ergänzt für die Linksjugend Leipzig: „Der internationale Aufstieg des Autoritarismus trifft seit einigen Jahren verstärkt hart erkämpfte Fortschritte. Die Kriminalisierung von Abtreibungen schafft konkretes Leid für extrem viele Frauen weltweit und erzeugt erneut einen Zustand der Unfreiheit über den eigenen Körper. Wir müssen uns dem aber auch allen reaktionären Vorboten dieser Entwicklungen entschieden entgegenstellen.“

Hannah Lilly Lehman, Vorsitzende der Jusos Leipzig stellt klar: „Wer Gleichstellung will muss die Verteilungsfrage stellen. Solange FINTA weniger verdienen, häufiger in Teilzeit oder prekären Jobs arbeiten und den Großteil unbezahlter Sorgearbeit übernehmen, ist wirtschaftliche Abhängigkeit kein individuelles Problem – sondern politisch gemacht. Wer finanziell abhängig ist, hat weniger Spielraum, sich aus toxischen oder gewaltvollen Beziehungen zu lösen. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck struktureller, systematischer Ungleichheit.“

Marlen Drechsler von der Grünen Jugend Leipzig führt weiter aus: „Deutschland tut nicht genug um die Rechte von FLINTA* zu schützen und das fängt bereits im Gesetz an — ein Catcalling-Paragraf wird belächelt, die Nur Ja-heißt-Ja – Regelung abgelehnt und die Streichung von Schwangerschaftsabbrüchen aus dem Strafgesetzbuch immer weiter hinausgezögert. Das ganze hat offensichtlich System und das System heißt Patriarchat!“

„Um unsere Forderungen auf die Straße zu tragen und dem autoritären Rollback den Kampf anzusagen ist es gerade jetzt wichtig gemeinsam und laut am 8. März auf die Straße zu gehen und den Anliegen Öffentlichkeit zu geben. Kommt mit uns zur feministischen Demonstration, bringt Transparente und Schilder mit und seid laut. Kein Schritt zurück- die Zeit zu kämpfen ist jetzt!“, so Lola Phiel für das Aktionsnetzwerk abschließend.

Pressemitteilung vom 09.03.2026

Über 10 000 Menschen demonstrierten in Leipzig am 8. März

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ hatte als Teil des Bündnisses „8. März ist immer!“ zur Demonstration am feministischen Kampftag aufgerufen und über zehntausend Menschen kamen.

Dazu erklärt Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk:
„Es war überwältigend, wie viele FLINTA* sich an der Demonstration beteiligten. Viele hatten Schilder gebastelt, Transparente gemalt oder trugen ihre Statements auf der Kleidung.
Aus den Redebeiträgen auf der zentralen Auftaktkundgebung auf dem Augustusplatz stach der einer Iranerin hervor und bewegte viele auf dem Platz. Am Wilhelm-Leuschner-Platz ergriff eine Kita-Erzieherin für Ver.di das Wort und nahm die Menschen emotional mit.
Unser besonderer Dank gilt allen, die diese Demonstration möglich gemacht haben – egal ob als Ordbner*innen, Awarnesspersonen, Moderation, Fahrer*innen, Redner*innen, Organisator*innen. Für uns alle gilt: 8. März ist immer!“

Alle Redebeiträge, die gehalten wurden, sind auf der Seite der AG Frauenprojekte zu finden: https://agfrauenprojekte-leipzig.com/redebeitraege/

Pressemitteilung: Erfolg vor dem Verwaltungsgericht – Leipzig nimmt Platz setzt Zeichen

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ hat in einem aktuellen Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Leipzig einen wichtigen Erfolg gegen die Stadt Leipzig und ihre Versammlungsbehörde erzielt. Zwei weitere Verfahren befinden sich derzeit in der Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht.

Im verhandelten Fall ging es um eine Gegenveranstaltung zu einem Aufmarsch der Querdenken-Szene am 31. Oktober 2022. Der Versuch, eine spontane Sitzversammlung als Demonstration anzumelden, wurde von der Stadt vorschnell abgelehnt – ohne inhaltliche Prüfung. Stattdessen stufte die Verwaltung das Geschehen pauschal als strategische Blockade ein.

„Das Gericht stellte klar: Behörden müssen eine versammlungsfreundliche Auslegung vornehmen und zunächst von einer zulässigen Spontanversammlung ausgehen. Im konkreten Fall habe ein Ermessensausfall vorgelegen, die Entscheidung der Stadt sei rechtswidrig gewesen. Die Stadt erkannte die Klage noch in der Verhandlung an.

Dieser Erfolg ist ein klares Signal: Grundrechte dürfen nicht aus Bequemlichkeit oder politischem Kalkül eingeschränkt werden. Spontanversammlungen sind ein wichtiger Bestandteil demokratischer Protestkultur“, so Marcus Röder, Kläger für das Aktionsnetzwerk.

Aktuell klagt das Netzwerk auch gegen Auflagen, die bei Versammlungen das Abspielen von Musik untersagen. Die Stadt argumentierte, das Abspielen politischer Musik trage nicht zur Meinungsbildung bei und der Versammlung im September 2022 habe es an Redebeiträgen gefehlt, sodass keine Versammlung mehr vorgelegen habe. Das Verwaltungsgericht folgte dieser Sichtweise – obwohl kurz zuvor ein Redebeitrag gehalten worden war, sich Teilnehmende in Kleingruppen austauschten und Musik mit politischem Text lief. Das Oberverwaltungsgericht wird sich nun in der Berufung damit befassen.

„Die Verfahren zeigen: Rechtliche Auseinandersetzungen mit Auflagen sind notwendig, um Grundrechte zu schützen. Immer wieder versuchen Behörden aus Angst vor möglichen Gefahren, Grundrechte präventiv einzuschränken – ein Vorgehen, das eher einem autoritären als einem freiheitlichen Staatsverständnis entspricht. Das Aktionsnetzwerk wird auch künftig konsequent für Grundrechte streiten und menschenfeindlichen Strömungen entgegentreten. Unsere Arbeit kostet Kraft und Geld – und wir erhalten weder Lohn noch institutionelle Förderung. Wir handeln aus Überzeugung, weil wir glauben, dass Menschenrechte nicht nur verteidigt, sondern gelebt werden müssen“, so Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk abschließend. 

Unterstützen Sie uns!

Wer unsere Arbeit unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun. Unser Spendenkonto:

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Gemeinsam für Freiheit, für Menschenrechte – gegen Hass und Hetze.

Offener Brief an Herrn Denis Kuhne, Leiter der Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes Sachsen

Offener Brief an Herrn Denis Kuhne, Leiter der Staatsschutzabteilung des
Landeskriminalamtes Sachsen

Betrifft Interview in der LVZ vom 14.07.2025

Sehr geehrter Herr Kuhne,

mit großem Interesse haben wir Ihre Ausführungen im Interview der Leipziger Volkszeitung vom 14. Juli 2025, insbesondere im Hinblick auf den Fall Maja T., zur Kenntnis genommen. Ihre Aussagen geben aus unserer Sicht jedoch Anlass zu erheblicher fachlicher und verfassungsrechtlicher Irritation. Wir bitten Sie daher um eine Stellungnahme zu den nachfolgend aufgeführten Punkten.

Wir sind eine zivilgesellschaftliche Organisation, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern demokratischer Parteien und deren Jugendorganisationen, Gewerkschaften, kirchlichen Akteuren sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammensetzt. Ihre Antworten werden wir den jeweiligen Gruppen zur weiteren Bewertung zugänglich machen.

1. Einschätzung Ungarns als „angeblich autokratisches System“ Sie äußern im Interview Zweifel daran, ob Ungarn tatsächlich ein autokratisches System darstellt, und befürchten eine Täter-Opfer-Umkehr. Diese Einordnung erstaunt, da zahlreiche internationale Institutionen und Gerichte erhebliche Defizite im Bereich der Rechtsstaatlichkeit in Ungarn festgestellt haben.

So hat die Europäische Kommission Mittel in Milliardenhöhe eingefroren, da die ungarische Regierung rechtsstaatliche Standards nicht einhält. Auch das Bundesverfassungsgericht hat im Zusammenhang mit Auslieferungsentscheidungen in Bezug auf Ungarn Zweifel an der Unabhängigkeit der Justiz geäußert. Die Sprecherin der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament stellte im März 2023 fest, daß die ungarische Regierung regelmäßig gegen Grundwerte der EU verstößt und demokratische Institutionen untergräbt.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Sie zu der Einschätzung gelangen, Ungarn sei lediglich „angeblich“ autokratisch – insbesondere als leitender Beamter eines Landeskriminalamts, der zur Neutralität und Zurückhaltung in politischen Bewertungen verpflichtet ist.

2. Bewertung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts Sie behaupten, die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts sei „verkürzt“ wiedergegeben worden. Dies widerspricht dem klaren Wortlaut des Beschlusses vom 17. Juni 2025 (Az. 2 BvR 900/25), in dem es heißt: „Die Verfassungsbeschwerde hat Erfolg.“ Die Beschwerde richtete sich gegen die Auslieferung der Betroffenen – wegen drohender Verletzung von Art. 4 GRCh (Verbot unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung). Dass sich mittlerweile auch politische Vertreter:innen verschiedener Parteien sowie das Auswärtige Amt hinter diese Einschätzung stellen, verdeutlicht die Tragweite der Entscheidung. Wir bitten Sie daher um konkrete Darlegung, welcher Aspekt des Beschlusses Ihrer Ansicht nach „verkürzt“ dargestellt worden sei.

3. Ihre Einlassung zur „klaren Beweislage“ und zur Täter-Opfer-Umkehr Sie äußern, die Beweislage sei aus Ihrer Sicht „klar“ – damit suggerieren Sie eine Vorverurteilung. Dies widerspricht dem Grundsatz der Unschuldsvermutung gemäß Art. 6 Abs. 2 EMRK sowie Art. 20 Abs. 3 GG. Ermittlungsbehörden – und damit auch das LKA – sind nach § 152 Abs. 2 StPO zur objektiven Sachverhaltsaufklärung verpflichtet. Die Bewertung der Beweise obliegt ausschließlich der Staatsanwaltschaft und – im Falle einer Anklage – dem zuständigen Gericht. Wenn Sie sich als leitender Staatsschutzbeamter öffentlich zur Schuldfrage äußern, kann dies als Einflußnahme auf laufende Verfahren verstanden werden und ist mit den Prinzipien rechtsstaatlicher Zurückhaltung unvereinbar. Sie untergraben damit nicht nur die Unschuldsvermutung, sondern riskieren, das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Justiz zu beschädigen.

4. Zur Umgehung des effektiven Rechtsschutzes Das Bundesverfassungsgericht hat ferner festgestellt, dass die Betroffene sowie ihre anwaltlichen Vertreter:innen keine Möglichkeit hatten, den Auslieferungsbeschluss des Kammergerichts vor der Vollstreckung gerichtlich überprüfen zu lassen. Dies stellt einen Verstoß gegen Art. 19 Abs. 4 GG (Rechtsweggarantie) dar. In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen: Entspricht es in Sachsen der Praxis, Auslieferungen durchzuführen, bevor die gerichtliche Überprüfung abgeschlossen ist? Wie wird in Ihrer Behörde sichergestellt, dass Verfassungsgrundsätze – insbesondere das effektive Rechtsschutzgebot – in der operativen Umsetzung gewahrt bleiben?

5. Grundgesetzbindung staatlichen Handelns Angesichts Ihrer Äußerungen stellen sich Zweifel daran, inwieweit die von Ihnen vertretene Haltung im Einklang mit den Grundwerten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung steht. Falls wir Ihre Aussagen missverstanden haben, bitten wir um Aufklärung. Wir fordern Sie daher höflich, aber mit Nachdruck auf, zu den genannten Punkten öffentlich Stellung zu nehmen.

Leipzig, 15.07. 2025

Mit freundlichen Grüßen
Irena Rudolph-Kokot
im Namen des Aktionsnetzwerks

Pressemitteilung: Ein Tag im Juni 2023 und seine Folgen #le0306

Der Hintergrund

Am 3. Juni 2023, nach dem erstinstanzlichen Urteil im Fall Lina E., sollte eine Demonstration als Reaktion auf das Urteil und den Umgang mit dem Verfahren stattfinden. Die Stadt Leipzig erließ eine Allgemeinverfügung, mit der alle Versammlungen verboten wurden, die nicht bis zum 31. Mai 2023 angemeldet wurden. Auch die sogenannte „Tag X“-Demonstration sowie jegliche Proteste im Zusammenhang mit dem Urteil wurden untersagt. Als Begründung dienten pauschale Gefahrenprognosen und Unterstellungen von Gewalt, ohne dass Anmelder*innen Gelegenheit zur Prüfung oder Stellungnahme erhielten.

Demonstrationsanmeldung durch den Say it loud e. V.

Der Verein „Say it loud e. V.“ meldete daraufhin eine eigene Demonstration an – zum Schutz des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit. Diese sollte ursprünglich vom Alexis-Schumann-Platz durch die Innenstadt führen und wurde nicht verboten.

Parallel legten die Anmelder*innen der „Tag X“-Demonstration Rechtsmittel gegen das Verbot ein. Verwaltungsgericht Leipzig, OVG Bautzen und schließlich – am Tag der Demo – das Bundesverfassungsgericht bestätigten das Verbot oder ließen wegen Zeitmangels keine tiefgehende Prüfung zu. Die Entscheidung aus Karlsruhe kam 1,5 Stunden vor Versammlungsbeginn.

Die Falle

Trotz positiven Bescheides für die Versammlung des Say it loud e. V. wurde diese zur Falle. Die Polizei zog mit einem bundesweiten Großaufgebot auf. Schon vor Beginn wurde der Versammlungsort eingekesselt, zentrale Zugänge wurde versperrt. Ab ca. 17 Uhr wurde dem Versammlungsleiter mitgeteilt, dass 100 Personen – angeblich dem „schwarzen Block“ zugehörig – auf dem Weg seien, was zum Ausschluss eines Demonstrationszugs führen würde. Kurz darauf blockierten Wasserwerfer und Polizeiketten den gesamten Aufzug.

Die Lage eskalierte: Alternative Routen wurden abgelehnt, Gespräche mit der Versammlungsbehörde blieben erfolglos. Ein Deli-Plenum sollte die Versammlung retten – bis es bei einem Ausbruchsversuch zu Gewalt kam. Danach wurde der untere Teil der Versammlung auf Höhe des Heinrich-Schütz-Platzes vollständig umstellt.

Die Folgen: Repression auf ganzer Linie

Über 1.200 Menschen wurden stundenlang in Gewahrsam genommen – darunter auch Minderjährige. Eltern wurden teils nicht informiert, Anwält*innen nicht zu den Klient*innen gelassen. Es gab während des … (11?) Stunden dauernden Kessels für viele der Betroffenen keine Möglichkeit, ihre Notdurft zu verrichten, zu essen, zu trinken, dafür aber reihenweise Erniedrigungen. Später wurde bekannt, dass verdeckte Ermittler eingesetzt wurden – ohne gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung. Ein vermummter Staatsanwalt erschien unangekündigt am Ort des Geschehens. Die Absicht war offensichtlich: Eskalation und Einschüchterung statt Schutz von Grundrechten.

Kriminalisierung der Versammlungsteilnehmer*innen

Gegen alle Eingekesselten wurde pauschal wegen schweren Landfriedensbruchs ermittelt. Die Staatsanwaltschaft erhob zusätzlich den Vorwurf des versuchten Mordes, um die massiven Maßnahmen zu rechtfertigen – ein durchschaubares Mittel zur Legitimation staatlicher Repression. Ermittlungen gegen Polizist*innen wurden rasch eingestellt.

Während hunderte Verfahren gegen Versammlungsteilnehmer*innen ohne mediale Beachtung eingestellt werden, weil keine Tat nachgewiesen werden kann, bleibt die Aufarbeitung schleppend – Gerechtigkeit ist nicht in Sicht.

Einschüchterung durch Justiz und Polizei

Besonders perfide: Hausdurchsuchungen bei Journalist*innen trotz Presseausweises – später als rechtswidrig erklärt. Einschüchterungsversuche gegen Sozialarbeiter*innen, die sich öffentlich kritisch äußerten, gipfelten in Hausdurchsuchungen, Verurteilungen und der Drohung, Fördergelder zu entziehen.

Auch der Versammlungsleiter wurde kriminalisiert – wegen kritischer Tweets über den vermummten Staatsanwalt erhielt er einen Strafbefehl über 80 Tagessätze.

Ein Rechtsstaat?

Ein autoritär agierender Staat, der mit Polizei, Staatsanwaltschaft und Politik im Gleichklang agiert, eigene Regeln schafft und jede Rechenschaft verweigert, zeigt: Die Verteidigung von Demokratie, Freiheits- und Menschenrechten ist in Deutschland nicht garantiert.

Die ersten verwaltungsgerichtlichen Urteile bestätigen: Die Einkesselung war rechtswidrig. Die Stadt Leipzig und die Polizei schieben sich seither gegenseitig die Verantwortung zu. Die Ermittlungen gegen Teilnehmer*innen werden still eingestellt – nicht aber die Erzählung vom „Linksterrorismus“, die durch Politik und Behörden weitergesponnen wird.

Pressemitteilung: 10.000 Menschen in Halle gegen die AfD. Leipzig war dabei.

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ hatte, am 25. Januar, aufgerufen, nach Halle zu den Protesten gegen den Wahlkampfauftakt der AfD zu fahren. Zehntausend Menschen folgten dem Aufruf von „Halle gegen rechts“ und beteiligten sich an dem bunten Protest. Auch aus Leipzig waren ein paar hundert Menschen in Halle dabei.

Dazu erklärt Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk: „Es ist gut, dass so viele Menschen sich den Versammlungen angeschlossen haben. Wir danken unseren Freund*innen von Halle gegen rechts für die Organisation der Proteste und allen Menschen, die sich beteiligt haben.

Die Behörden haben allerdings das Recht auf Versammlungsfreiheit massiv eingeschränkt. So war es kaum möglich, aus Leipzig mit einem Fahrzeug kommend, zu dem Kundgebungsort an der Messehalle zu gelangen. Generell war die Masse an Polizei am direkten Versammlungsort und drumherum, welche auch mit Pferden unterwegs war, abschreckend. Das hat einige davon abgehalten, auf die Versammlungsfläche an der Messe zu gehen. So ist Versammlungsfreiheit nicht gedacht.

Ein Protest in wirklicher Hör- und Sichtweite, sodass die teilnehmenden Anreisenden alle erreicht werden, wurde nicht zugelassen. Das ist bitter, denn der Protest richtete sich ja genau an diese. Um so erfreulicher waren die an verschiedenen Orten spontan entstandenen Sitzversammlungen. Diesen mutigen Aktivist*innen danken wir ganz besonders.“

„Die Reden auf dem Wahlkampfauftakt kennen keine Grenzen mehr. So bekennt sich Weidel erneut und vehement zum Begriff Remigration und kündigt an, am Tag eins der Regentschaft alle Grenzen schließen zu wollen. Ganz unverhohlen zeigt die AfD ihre völkisch-nationalistische Fratze. Sie erklärt sich damit gerichtsunabhängig für gesichert rechtsextremistisch.

Die AfD fordert zudem die CDU zur Zusammenarbeit auf – gepusht durch die Entwicklungen in Österreich und die Aussagen von Merz.“

„Jetzt ist es an der Zeit, das Prüfverfahren zum AfD-Verbot einzuleiten. Wir fordern alle Abgeordneten der demokratischen Parteien auf, kommende Woche dem Antrag zur Prüfung eines Parteiverbotes zuzustimmen. Wir freuen uns, dass die Bundestagsabgeordneten aus Leipzig Paula Piechotta, MdB Bündnis 90 / Die Grünen und Nadja Sthamer, MdB SPD, uns mitgeteilt haben, dass sie dem Antrag zustimmen werden.“

Pressemitteilung: Leipzig fährt nach Halle

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ ruft auf, am 25. Januar nach Halle zu den Protesten gegen den Wahlkampfauftakt der AfD zu fahren. Treffen zur gemeinsamen Anreise ist am 25. Januar 2025, 9:50 Uhr, Gleis 2 Hauptbahnhof Leipzig (tief). Die S-Bahn fährt 9:55 Uhr.

Dazu erklärt Irena Rudolph-Kokot für das Aktionsnetzwerk: „Nicht erst seit Riesa ist deutlich geworden, dass die AfD keine Grenzen mehr kennt und immer unverhohlener das Gesicht des Rechtsextremismus zeigt. Das Programm ist deutlich durch einen völkisch- nationalistischen Geist geprägt, der auch für die NSDAP bezeichnend war – marginalisierte Gruppen innerhalb der Gesellschaft werden aus dieser ausgeschlossen und geächtet. Im Geist des Neoliberalismus und des Kapitals wird gezielt nach unten getreten: gegen Menschen mit Einwanderungsgeschichte, gegen Transferleistungsbeziehende, gegen anderweitig marginalisierte Gruppen.“

Katrin Saborowski von den Omas gegen Rechts ergänzt: „Es ist auch ein Versagen der linken Kräfte, dass sich viele Arbeiter*innen für eine Partei entscheiden, die ihnen vorsätzlich schadet und deren Handeln dazu führt, dass diejenigen, die ohnehin schon ein geringes Einkommen haben, dem Programm folgend noch weniger hätten.

Das Programm der AfD ist ein Frontalangriff auf den Sozialstaat. Der Umbau in eine nationalistische Diktatur wird geradlinig angestrebt und es mutet an, dass die deutsche Sehnsucht nach Autorität durchschlägt. Die mystische Sehnsucht nach Führung und Ordnung.“

„Wenn man über die autoritäre Formierung spricht, kommt man nicht umhin, auch über das Versagen der demokratischen Kräfte zu sprechen. Sie haben die Sprachraumverschiebung und Normalisierung von rechten Positionen mit vorangetrieben. Auch die vermeintlichen Mitte-links-Parteien haben sich dazu treiben lassen, zwischenzeitlich primär über Migration zu sprechen und damit klassisch Sündenböcke aufzubauen.

Da wir uns im Zweifelsfall auf Parteien nicht verlassen können, ist es an uns, für eine emanzipatorische und progressive Gesellschaft einzutreten und es deutlich zu artikulieren – gegen die autoritäre Formierung“, so Rudolph-Kokot abschließend.

Deswegen kommt mit uns am Samstag nach Halle! Kein Raum für Niemand, sondern Alles für Alle!

 

Vorgehen der Behörden in Riesa ist unverhältnismäßig.

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ unterstützt die Proteste gegen den Parteitag der völkisch – rassistischen AfD in Riesa und kritisiert in diesem Zuge deutlich, das Vorgehen der Sicherheitsbehörden.

Dazu erklärt Katrin Saborowski von den Omas gegen Rechts, die im Aktionsnetzwerk aktiv mitarbeiten: „Auch Leipzig nimmt Platz ruft, wie viele andere Strukturen bundesweit, dazu auf, sich an den Protesten gegen die AfD zu beteiligen. Die Äußerungen von Alice Weidel haben einmal mehr gezeigt, dass sie ein völkisch – nationalistisches und antisemitisches Weltbild pflegt. Gerade in diesen Zeiten braucht die Demokratie Schutz und Bürger*innen, die ihr Versammlungsrecht wahrnehmen und ihre Meinung zum Ausdruck bringen, damit sich Geschichte nicht wiederholt.“

Rena Wilken von den Eltern gegen Polizeigewalt ergänzt: „Der lautstarke Protest gegen eine gesichert rechtsextreme Partei, die die freiheitlich demokratische Grundordnung zugunsten eines völkisch – rassistischen Nationalstaates überwinden will, ist auch eine historisch – demokratische Verantwortung“.

Vor diesem Hintergrund kritisiert Platznehmen auch das Handeln der Sicherheitsbehörden als unverhältnismäßig. Aus den vorliegenden Unterlagen geht hervor, dass die Sicherheitsbehörden selbst damit rechnen, dass der Protest überwiegend bürgerlich und friedlich stattfinden wird. Gleichzeitig wird versucht, mit Warnungen vor möglichen Terroranschlägen (angeführte Beispiele reichen bis in die USA) den Protest einzuschränken.

Für die Ausweisung eines Kontrollbereiches wird in der Begründung etwa auf den Attentatsversuch auf den slowakischen Ministerpräsident Figo verwiesen. Auch auf das Geschehen in Magdeburg wird Bezug genommen, wobei die Sicherheitsbehörden komplett unterschlagen, dass der Täter von Magdeburg aus Motiven mit Nähe zur AfD gehandelt hat.

„Erneut versuchen die Sicherheitsbehörden den Protest im Vorfeld zu kriminalisieren und schüren Angst. Die Argumentation der Behörden, die einerseits darauf abstellen, dass der Protest friedlich sei und andererseits ohne Grundlage behaupten, dass es eine Anschlagsgefahr gibt, ist argumentativ auf einer Ebene mit der AfD und passt zum postfaktischen Zeitalter. Mit der Macht des Faktischen werden erneut demokratische Grundrechte außer Kraft gesetzt bzw. deutlich eingeschränkt. Wir unterstützen daher die eingereichten Klagen gegen den Kontrollbereich und die Versammlungsbescheide, so Irena Rudolph – Kokot für das Aktionsnetzwerk abschließend.

 

Ein Angriff auf die Kultur

Im Zuge der Haushaltsdiskussionen wurden durch mehrere Fraktionen des Leipziger Stadtrats Kürzungsanträge eingereicht, die sich vor allen Dingen als Angriff auf die freie Kulturszene in Leipzig begreifen lassen. Die Vorschläge von AfD, CDU und BSW, die zusammen 33 Stimmen haben, zeigen dabei in eine ähnliche Richtung, aber mit unterschiedlichen Begründungen.

Während der AfD eine freie Kultur ohnehin ein Dorn im Auge ist und daher nicht nur als verzichtbar gilt, sondern als Problem, das den eigenen Zielen im Wege steht, ist bei der CDU ein anderer Schwerpunkt sichtbar. Gegner bleibt vor allen Dingen das als „links“ wahrgenommene Conne Island. Das BSW wiederum arbeitet direkt mit dem Kulturkampf und unterstellt insbesondere der NATO, dem Conne Island und dem Werk 2 eine „cancel culture“. Die Möglichkeit einer rechten Querfront im Stadtrat ist auch angesichts vergangener Abstimmungen naheliegend.

Umso wichtiger ist es aber, diese Angriffe entschieden zurückzuweisen. Kultur ist notwendige Bedingung einer aufgeklärten und damit demokratischen Gesellschaft. Gemeint ist eine Kultur, die auch dem Willen der Politik entzogen ist. Gerade in einer Zeit, in der die Zustimmung zur Demokratie immer weiter sinkt und die Zustimmung zu autoritären Einstellungen steigt, braucht es Kultur als Gegenpol.

Kultur lässt sich dabei nicht ökonomisieren. Die Behauptungen, dass Kultur sich selbst tragen muss, sind Ausdruck eines Hyperkapitalismus und letztlich einer primären Verwertungslogik, die allerdings zur Verarmung der Kultur und der Gesellschaft beitragen würde. Diese Logik würde letztlich dazu führen, dass auch Institutionen wie Oper und Gewandhaus nicht mehr tragbar werden.

Wir sind überzeugt, dass es gerade in dieser Zeit ein breites und vielfältiges Kulturangebot sowie die Förderung von Soziokultur braucht, auch um die Demokratie zu stärken.

Wir stellen uns daher entschieden gegen die Kürzungen und betonen, dass die Gesellschaft Freiräume des Austauschs und der Interaktion braucht – wie sie eben nur eine starke Kulturszene anbietet.

Erinnerungskultur pflegen, gerade jetzt! „Stolpersteine putzen“

Das Aktionsnetzwerk „Leipzig nimmt Platz“ wird sich wieder an der Aktion des Erich-Zeigner- Haus e.V., „Mahnwache und Stolpersteine putzen“ zum Gedenken an die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, beteiligen und ruft alle Leipzigerinnen und Leipziger auf, mitzumachen. Da in diesem Jahr der 9. November auf einen Samstag fällt, an welchem die jüdische Gemeinschaft Shabbat feiert, wird die gesamte Gedenkaktion auf Sonntag, den 10. November 2024 verlegt.

Irena Rudolph-Kokot erklärt für das Aktionsnetzwerk: „Mit großer Sorge beobachten wir die immer größer werdende Unterstützung rechter Parteien mit dem dahinterstehenden Gedankengut nicht erst seit gestern. Sie greifen nach der Macht und wollen Geschichte umschreiben und damit auch die Erinnerungkultur, wie wir sie für wichtig halten, abschaffen. Das Putzen der Stolpersteine und das Erinnern an die Vergangenheit stellt sich dem entgegen. Deswegen ist es wichtig, dass sich möglichst viele Leipzigerinnen und Leipziger daran beteiligen.

Wir laden dazu ein, mit uns gemeinsam, am 10. November, 17 Uhr, die Stolpersteine von Anna und Bernhard Landsberg in der Pfaffendorfer Str.18 zu putzen. Bringt gerne Kerzen und Blumen mit. Noch besser ist aber, sich einen eigenen Stolperstein zu suchen und für diesen beim Erich-Zeigner-Haus e.V. eine Putzpatenschaft zu übernehmen. Das Erinnern an die vom NS-Regime verfolgten und getöteten Menschen ist gerade mit Blick auf die derzeitigen Entwicklungen in der Bundesrepublik und darüber hinaus besonders wichtig. Die Geschichte mahnt uns!“

Das Putzen der Stolpersteine wird am Sonntag, dem 10. November, in der Zeit zwischen 10 und 18 Uhr an allen Verlegeorten stattfinden. Über die Homepage https://erich-zeigner-haus-ev.de/neunter-november/ sind zahlreiche Informationen rund um die Putzaktion, sowie eine Karte zu finden, wo man mit Klick auf einen Stadtbezirk die Liste mit allen dort befindenden Stolpersteine angezeigt bekommt.