Update: Wie versprochen haben wir dem Polizeipräsidenten am 25.03.2026 geantwortet
Sehr geehrter Herr Polizeipräsident,
vielen Dank für Ihre Antwort auf unseren offenen Brief. Wir lasen sie mit großem Interesse – insbesondere, weil darin eine bemerkenswerte Leistung zu erkennen ist: Sie beantworten keine einzige unserer Fragen. Ihre Antwort ist formal freundlich, inhaltlich leer und strategisch ausweichend oder anders zusammengefasst: „Wir haben alles richtig gemacht, Details besprechen wir nicht öffentlich.“ Das verdient Anerkennung. Immerhin formulieren Sie eine Antwort und zeigen damit zumindest die Bereitschaft Kritik entgegenzunehmen. Dies wiederum ist etwas, was Ihr Dienstherr, der zuständige Innenminister, nicht für notwendig erachtet. Offenbar sind dort Bürgeranfragen generell nicht zur Beantwortung vorgesehen.
Wir schilderten unter anderem, dass es blockierte Notausgänge und vergitterte Hoteleingänge gab. Zugänge zur Versammlung wurden verwehrt und körperliche Gewalt, als gäbe es keine milderen Mittel, richtete sich gezielt gegen Demonstrierende. Ihre Antwort hierzu lässt sich prägnant zusammenfassen: „Zur Kenntnis genommen“. Wir gestehen: Das ist effizient. Besonders beeindruckt hat uns auch Ihre Feststellung, alle Maßnahmen seien „verhältnismäßig“ gewesen. Eine Begründung bleiben Sie uns schuldig. Vermutlich fühlen Sie sich genötigt, dies zu schreiben, weil im Gesetz steht, dass Maßnahmen verhältnismäßig sein müssen – jedenfalls sofern das Rechtsstaatsprinzip des Grundgesetzes in Sachsen überhaupt Geltung erlangt. Erlauben Sie uns an dieser Stelle, unseren massiven Zweifel daran auszudrücken.
Ebenfalls bemerkenswert ist die Formulierung von den „konfrontativ gegenüberstehenden Versammlungsteilnehmern“. Wir interpretieren Ihre Formulierung so: Auf der einen Seite ein rechtsextremer Aufmarsch, auf der anderen Seite ein zivilgesellschaftlicher Protest aus der Mitte der Gesellschaft und irgendwo dazwischen die Polizei, quasi als neutrale Beobachterin. Das ist Ihre Perspektive – nicht unbedingt unsere.
Ihr Angebot eines persönlichen Gesprächs haben wir zur Kenntnis genommen. Wir übersetzen es vorsichtig so: Schriftlich nichts sagen – mündlich alles relativieren. Gerade weil es um Grundrechte und mögliche Rechtsverletzungen geht, halten wir jedoch eine schriftliche, überprüfbare und konkrete Stellungnahme weiterhin für angemessen. Wir alle tragen eine Verantwortung dafür, dass die Einhaltung der Grundrechte gewährleistet bleibt! Wir vermuten, der zuständige Innenminister sieht das anders.
Abschließend bleibt festzuhalten: Sie schreiben, Sie nähmen Kritik ernst. Wir nehmen zur Kenntnis, dass sich diese Ernsthaftigkeit bislang nicht im Inhalt Ihrer Antwort widerspiegelt. Das ist vielleicht ein Missverständnis, vielleicht aber auch nicht.
Machen Sie deutlich, dass Sie jenseits von formal nüchternen Schreiben bereit sind, sich mit unseren konkreten Vorwürfen auseinanderzusetzen und gewillt sind, dabei zu helfen, dass bestehende Misstrauen gegenüber der Polizei nicht zu vertiefen. Auch wenn es manchmal scheint, wir stünden auf unterschiedlichen Seiten. Wir gehen davon aus, dass uns das Ziel eint, die Grund- und Menschenrechte zu verteidigen und das Grundgesetz zu schützen.
Mit erwartungsvoll-nüchternen Grüßen
Das Aktionsnetzwerk Leipzig nimmt Platz
Update: am 14.03.2026 haben wir diese Antwort bekommen die wir euch nicht vorenthalten möchten. Natürlich werden wir auch noch antworten.
Sehr geehrtes Netzwerk Leipzig nimmt Platz,
vielen Dank für Ihren offenen Brief und Ihr Engagement.
Die Polizeidirektion Dresden hat Ihre geschilderten Eindrücke im Zusammenhang mit den Demonstrationen am 14. Februar 2026 in Dresden interessiert zur Kenntnis genommen. Wir möchten jedoch festhalten, dass der Polizeieinsatz darauf ausgerichtet war, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit für alle Versammlungsteilnehmenden zu gewährleisten. Zugleich haben wir entlang der Aufzugsstrecke der Rechtsextremisten an mehreren Orten einen Protest in Hör- und Sichtweite ermöglicht.
Unsere getroffenen Maßnahmen dienten der Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit sowie der Trennung konfrontativ gegenüberstehender Versammlungsteilnehmer. Nach derzeitiger Bewertung erfolgten die polizeilichen Maßnahmen dabei stets unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit.
Unabhängig davon nimmt die Polizeidirektion Dresden Hinweise und Kritik an polizeilichem Handeln ernst. Gern bieten wir Ihnen ein persönliches Gespräch an, um Ihre Wahrnehmungen zu einzelnen Situationen zu besprechen und den Einsatz gemeinsam nachzubereiten. Ein solcher Austausch kann dazu beitragen, unterschiedliche Perspektiven zu erläutern und möglichen Missverständnissen oder ähnlichen Situationen bei zukünftigen Versammlungslagen vorzubeugen.
Für eine Terminabstimmung können Sie sich gern an die Polizeidirektion Dresden wenden.
Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag
Stabsstelle Kommunikation
POLIZEIDIREKTION DRESDEN
- eine unabhängige Untersuchung der polizeilichen Einsatzstrategien in Dresden zu initiieren.