Leipzig – eine weltoffene Stadt? Legida läuft montags und alle sehen zu.

Legida hat sich generös am 16. März eine Pause spendiert. In Leipzig verbleibt damit eine Woche mehr für eine Aktivierung neuer, alter Strategien. Wo bleibt die weltoffene Stadt, die rassistischen Bestrebungen keinen Platz einräumen will?

Legida schafft es auf stagnierendem Niveau, mehrere Hundert Menschen auf dem Augustusplatz zu versammeln. Die Spreu hat sich vom Weizen getrennt: ein großer Teil kommt aus dem Fußballumfeld, freie Kameradschaften und Parteikader nehmen regelmäßig teil. Zusätzlich versammeln sich „besorgte“ Bürger_innen, denen öffentlicher Protest gegen GEZ oder „Lügenpresse“ nur möglich erscheint, indem sie sich mit dem offensiven Teil der rechten Mitte gemein machen. Die Redner_innen kommen weiterhin aus dem Feld der Neuen Rechten, Verschwörungstheoretiker_innen und Bürger_innen, welche die Chance nutzen wollen auf ein paar Wochen lokale Bekanntheit. Egal ob in Leipzig oder Dresden, der Ton der Redner_innen wird rauer, es wird gehetzt und verunglimpft, wo es nur geht.

Todesdrohung bei Legida gegen Jule NagelBildquelle: https://twitter.com/reneloch/status/576112891302162432

Daran anschließend ist eine zunehmende Aggressivität bei Legida feststellbar. An öffentliche Personen, die Veranstaltenden und Journalist_innen werden Drohbriefe gesendet. Sie werden auf Schildern verunglimpft oder direkt mit Gewalt bedroht, genauso von der Bühne herab oder mit Schlachtrufen aus dem Mob heraus. Immer wieder bedrohen offensichtlich Gewalt suchende Männer die Teilnehmenden der Gegendemonstration. Und der Heimweg durch die Innenstadt oder nördlich des Hauptbahnhofs ist montagsabends längst schon zum Gefahrenort wegen patrouillierender Hooligans geworden. Dem kann auch die mit mehreren Hundertschaften präsente Polizei nichts entgegensetzen – oder ermöglicht das direkt durch eine auf Kurzfristigkeit ausgelegte Strategie nach dem Legida-Abgang am Hauptbahnhof.

Wie sieht es aber im Gegenprotest aus? Noch immer sind deutlich mehr Menschen auf den verschiedenen Demonstrationen und Kundgebungen als bei Legida selbst versammelt. Jedoch muss konstatiert werden, dass in Leipzig Woche für Woche ein rassistischer Aufmarsch stattfinden kann. Stellt sich die breite Masse der Bevölkerung Leipzigs – der Stadt, die ihre Vielfalt und Weltoffenheit mantraartig wiederholt – diesen Aufmärschen noch konsequent entgegen? Die anfängliche Euphorie, als sich Tausende in den Weg oder zumindest lautstark an den Rand stellten, ist vorbei.

Jedoch sind die Demonstrationen von „Refugees Welcome“ und „Legida? Läuft nicht!“ weiterhin öffentlich wirksam und werben um größere Beteiligung. Mit „Legida – Das Original“ ist ein satirisches Konzept etabliert, das Menschen motivieren kann, sich allmontaglich dem rassistischen, demokratiefeindlichen Redeschwall bei Legida auszusetzen. Weitere Konzepte müssen entwickelt und bekannte reaktiviert werden.

Neben den Veranstaltungen des Erich-Zeigner-Hauses am Nikolaikirchhof braucht der Protest weitere inhaltliche Angebote, die Menschen anziehen. Das sind auch Alternativen zur gut besuchten Bühne bei „Courage zeigen“. Das Aktionsnetzwerk hat weitere Partner_innen gefunden, die diese Alternativen organisieren. Aber alle sind aufgefordert, das Engagement gegen Legida zu reaktivieren. Für eine weltoffene Stadt einzutreten kann in Zeiten wie diesen nerven und anstrengend sein. Wenn die Stadtgesellschaft sich aber weiterhin weltoffen geben will, muss sie dies auch öffentlich zeigen – um rassistischen Aufmärschen keinen Platz zu geben!