Wir stehen hinter den Blockaden!

Verfolgte des Naziregimes und Holocaustüberlebende zu Blockade-Prozessen in Dresden

Am Donnerstag, den 16. Oktober um 10 Uhr, beginnt der Prozess gegen Markus Tervooren vor dem Amtsgericht Dresden. Der Beschuldigte gehörte am 19. Februar 2011 zu den Tausenden Demonstrantinnen und Demonstranten, die mit Sprechchören, Musik, Gesängen und mit Blockaden, als einem legitimen Mittel des zivilen Ungehorsams, den braunen Umzug stoppten. Wir waren hoch erfreut, dass so viele Menschen gegen den europaweit größten Naziaufmarsch auf die Straße gegangen sind. Sie alle haben dafür gesorgt, dass diese Naziaufmärsche in Dresden seit 2012 nicht mehr stattfinden.

Dafür danken wir Markus Tervooren, dem Geschäftsführer der Berliner VVN-BdA, und allen anderen, die sich seit Jahren an den Protesten beteiligt haben.

Umso unverständlicher ist es, dass sich ein Antifaschist nach mehr als dreieinhalb Jahren für seinen Protest verantworten soll. Zu seinen „Tatwerkzeugen“ gehörten, so heißt es in der Anklage, ein Megafon und eine Fahne. Dabei handelt es sich um die Fahne der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), der ältesten und größten antifaschistischen Organisation in Deutschland, 1948 gegründet von Überlebenden der Konzentrationslager und Zuchthäuser.

Von diesem Prozess geht ein fatales Signal aus. Während Neonazis und Rassisten in Sachsen unbehelligt leben – wie noch vor drei Jahren das NSU-Mördertrio – werden Antifaschisten kriminalisiert. Die Neonazi-Szene kann sich drei Jahre nach Aufdeckung des NSU durch die sächsische Justiz nur bestätigt fühlen.

Wir, Verfolgte des Naziregimes und Überlebende des Holocausts, Emigranten, Kämpfer in den Reihen der Antihitlerkoalition, Wehrmachtsdeserteure, Vertreter der zweiten Generation der Opfer des Faschismus, sind empört, dass solch ein Gerichtsverfahren überhaupt stattfinden kann.

Wir fordern die sofortige Einstellung des Prozesses gegen Markus Tervooren und gegen den Pfarrer Lothar König aus Jena.

Elisabeth Abendroth
Ralf Bachmann, rassisch verfolgt
Ludwig Baumann, Wehrmachtsdeserteur, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Opfer der Militärjustiz
Dr. Hans Coppi
Vera Dehle-Thälmann
Lore Diehr, illegal tätig in Berlin-Pankow
Regina Elsner, 1. Landessprecherin VVN-BdA-Sachsen
Dr. Peter Fischer
Prof. Dr. Vera Friedländer, rassisch verfolgt, Zwangsarbeiterin bei Salamander
Jutta Peter Giersich, Landessprecher VVN-BdA –Sachsen
Ernst Grube, Überlebender des KZ Theresienstadt
Prof. Dr. Kurt Goßweiler, Wehrmachtsdeserteur
Kurt Gutmann, im Kindertransport nach England gerettet, Freiwilliger der britischen Armee
Volkmar Harnisch, als 18-Jähriger wg. Hochverrat und Wehrkraftzersetzung zu Gefängnis verurteilt
Andrej Hermlin
Hildegard Hentschke, Widerstandskämpferin, Frauengefängnis Bötzow
Roland Hering, VVN-BdA Radebeul
Marianne Kaufholdt, rassisch verfolgt
Elisabeth Jäger, Überlebende des KZ Ravensbrück
Dr. Peter Kirchner, rassisch verfolgt
Maria König, Überlebende von Auschwitz.
Werner Knapp, Soldat in der tschechoslowakischen Auslandsarmee in Frankreich
Dr. Inge Lammel, im Kindertransport nach England gerettet
André Lang, Mitglied Landesvorstand VVN-BdA Sachsen
André Lohmar Prof. Dr. Moritz Mebel, überlebte im Exil in der Sowjetunion, Offizier der Roten Armee
Peter Neuhof, rassisch verfolgt und Zwangsarbeiter
Miriam Pandor, überlebte im Exil in den Vereinigten Staaten
Edith Pfeiffer
Brigitte Rothert-Tucholsky, ihre Mutter wurde durch die Bombenangriffe auf Dresden in letzter Stunde vor der Deportation gerettet
Sabine Reichwein
Dr. Bärbel Schindler-Saefkow
Horst Selbiger, rassisch verfolgt, Ehrenvorsitz der “Child Survivors Deutschland – Überlebende Kinder der Shoah”
Frido Seydewitz, Ehrenvorsitzender VVN-BdA Sachsen
Justin Sonder, Überlebender von Auschwitz
Steffi Wittenberg, überlebte im Exil in Uruguay
Kurt Gossweiler, Wehrmachtsdeserteur
Marianne Wilke, Ehrenvorsitzende der VVN-BdA Schleswig-Holstein, rassisch verfolgt
Günther Wilke, VVN-BdA Wedel

Spendenkonto für die Prozesskosten Berliner VVN-BdA e.V. Postbank Berlin Konto-Nr. 5764248009,BLZ10090000 Verwendungszweck: Prozesshilfe