Leserbrief 1 an LVZ 240909

Sehr Geehrter Herr Hilder, sehr geehrter Herr Döring, sehr geehrter Herr Stäubert,

Mit Empörung musste ich heute ihre höchst verkürzte Berichterstattung zum „Bündnis 17. Oktober“ (24.10.2009, „Behörde in Blockade-Plan involviert“) lesen. Sie stellen die Aktivitäten, die im Oktober stattfinden nicht etwa als die legitime Äußerung einer wachen und aktiven Demokratie dar, sondern eben ausschließlich als ein Problem für „Recht und Ordnung“ in der Stadt. Sie vergessen dabei, dass es bei dem Bündnis 17. Oktober nicht allein um bereits aktive politische Akteure handelt, sondern dass sich hier ein breites Bündnis von Menschen seinen politischen Willen diskutieren und deutlich zum Ausdruck bringen will. Damit steht das Bündnis in der zivilgesellschaftlich-demokratischen Tradition – auch wenn dieser Vergleich schon viel zu oft benutzt worden ist – von den Leipziger Friedensdemonstrationen 1989, den Gegendemonstrationen zu den Worch-Aufmärschen oder auch dem zivilgesellschaftlich organisierten Bürgerentscheid zum
Stadtwerkeverkauf im vergangenen Jahr. Eine öffentliche Äußerung des politischen Willens kann und darf nicht auf Kosten für Polizeieinsätze reduziert werden.

In ihrem Artikel vermisse ich eine Auseinandersetzung mit den Inhalten, die hinter dem agieren des „Bündnis 17. Oktober“ stehen. Die Aufzählung ‚von „dezentralem Vorgehen“, von „Flexibilität (auch wegen möglichen Streckenänderungen)“, von „Konzept light“ und „Konzept plus“ und der „Verzahnung mit anderen Aktionen“‘, die sie anbringen ist lächerlich – Kontingenzpläne, Flexibilität und Vernetzung gehören in allen Teilen unserer Gesellschaft zu jeglicher Form von Handeln. Offensichtlich soll hier aber zwischen den Zeilen suggeriert werden, dass diese Aktion von „Chaoten“ durchgeführt werden soll, von denen sich die „rechtschaffenen Bürger“ fern halten sollten. Dabei vergessen Sie was in dem Aufruf des Bündnisses und in allen Protokollen drin steht: Eine hohe Anschlussfähigkeit auch für alle humanistisch orientierten Menschen, Konsensorientierung und – ganz wichtig! – Gewaltfreiheit. Was, wenn nicht die
friedliche Äußerung einer politischen Meinung, ist denn gelebte Demokratie? Alle paar Jahre zur Wahlurne zu gehen und zu wählen? Das kann mitnichten ihr Ernst sein!

Dass die Stadtverwaltung in den Treffen des Bündnisses dabei ist, kann man nur begrüßen. Die Treffen sind offen für alle, die sich interessieren und die Anwesenheit von Behörden hilft auf beiden Seiten Ängste und Vorbehalte abzubauen. Ängste und Vorbehalte, die ihr Artikel versucht zu schüren. Ich frage mich ernsthaft welche Rolle Ihre Zeitung bei der gelebten Demokratie hier in Leipzig eigentlich spielen möchte? Frau Lahm hat bei den Treffen es immer vorzüglich geschafft, ihre persönlichen und amtlichen Ansichten zu trennen und war stets eine verlässliche Stimme der Stadt, wenn es darum ging was die Stadt noch unterstützen kann und was nicht.

Letztlich ist es unheimlich verkürzt davon zu sprechen, dass es hier nur um eine Blockade gehe. Geplant sind Kundgebungen, Straßenfeste und Kulturveranstaltungen und eine offensive, aber friedliche, Konfrontation mit den Nazis. Deren menschenfeindliches Weltbild muss doch eine bunte, vielfältige und humanistische Alternative entgegengesetzt werden! Da Sie davon nichts schreiben, frage ich mich doch: Haben Sie eigentlich mit den Beteiligten überhaupt gesprochen? Mit Frau Lahm ja offensichtlich nicht, und mit anderen Akteuren offensichtlich auch nicht. Warum brauchen Sie dann für einen solch flachen Artikel eigentlich zwei Autoren? Und was verstehen Sie eigentlich unter verantwortungsvollem Journalismus? Als Journalistik-Student würde mich das ernsthaft interessieren.

Ich freue mich auf eine Antwort von Ihnen. Diesen Brief dürfen Sie gerne ungekürzt veröffentlichen. Mit einer redaktionellen Bearbeitung (außer orthographisch und grammatisch) bin ich nicht einverstanden.

Beste Grüße

Lalon S.

2 Gedanken zu „Leserbrief 1 an LVZ 240909“

  1. Hallo,

    ich habe auch schon mehrere Leserbriefe an die Herren Görtz,Wonka und Hilder geschrieben (alle bedienen seltsamerweise in Ihren Kommentaren immer und immer das Wort “krude” deren bedeutung sie selbst wohl nicht recht wissen es aber trotzdem zu jedem Anlass verwenden…) ich habe weder eine Antwort erhalten noch worden
    jemals Leserbriefe gedruckt, dh. es gab eine Ausnahme eine nichtssagende Mail vom Görtz.
    Die Typen sind immun gegen jede Art von Kritik, gekaufte “Journallie” die eine äußerst zynische Neoliberale Haltung einnimmt, da würde selbst Sudel Ede vor Neid erblassen.
    Ich hoffe das die LVZ die Hälfte ihrer Leser verliert!
    Und Hilder sollte erst mal seine GEZ Schulden bezahlen bevor er den Stab über andere bricht!

Kommentare sind geschlossen.